Nach der Auflösung der sozialen und kulturellen Bestände der Gesellschaft tritt eine digitale Sozialsteuerung an deren Stelle. Ziele sind die Entinnerlichung des Menschen und seine Einpassung in bio- und neurodigitale Schaltordnungen. Sie reichen vom Internet der Körper bis zur Smart City, von der programmierbaren Zentralbankwährung bis zur verpflichtenden und verfolgbaren Digitalidentität.
Die maschinelle Intelligenz kann die menschliche dort einholen und ersetzen, wo diese ihr bereits durch Selbstabrichtung weit entgegengekommen ist. Zum Steuerungsmedium wird die Sprache, die das Denken für die Schaltung vorbereitet und selbst verschaltet. KI-Modelle, mit denen Maschinen unerschöpflich beredt werden, operationalisieren über die Sprache die gesamte Kultur und unterziehen sie einer umfassenden Sinnbegradigung. Gelingt die Funktionsintegration des Menschen in den übermächtigen digitalen Leviathan? Oder wird der globale Schaltversuch Widerstand und Eigensinn provozieren? Einen Ausblick gibt Michael Esders in diesem Buch, das der Debatte um künstliche Intelligenz eine neue, unerwartete Richtung gibt.
Zum Autor:
Michael Esders, 1971 geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Soziologie in Münster. 1999 wurde er mit einer Arbeit über literarische Formen der Philosophie promoviert. Nach einem Tageszeitungsvolontariat arbeitete er als Redakteur und in der Unternehmenskommunikation.
In seinen Büchern und Essays untersucht er die Enteignung literarischer Formen durch Marketing und Public Relations. In seinem vielbeachteten Buch »Sprachregime« (2020 in der Werkreihe von TUMULT erschienen) nimmt er die Meinungslenkung in politischen Erzählungen in den Blick. Jüngste Buchveröffentlichungen: »Ohne Bestand. Angriff auf die Lebenswelt« (2022) und »Tapetenbewohner. Einhundert Expeditionen ins Eigene« (2024).
| Gewicht | 0,31 kg |
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