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Der Gerhard Hess Verlag wurde 1946 mit Genehmigung und Lizenz der amerikanischen Besatzungsmacht gegründet. Mit der Register -Nr. 504 erfolgte die Eintragung in das Handelsregister Ulm im gleichen Jahr. Sogenannte belastete Verlage versuchten nach dem Zusammenbruch die Kooperation mit dem Verlag. So erschien z.B. 1946 eine Ausgabe des Werkes von Wilhelm Busch, dessen Rechte einem Verlag zustanden, der noch nicht tätig werden durfte. Der Gründer Gerhard Hess entstammte einer liberalen und pietistisch geprägten Familie. In amerikanische Gefangenschaft geraten, erlebte er das Sterben und Leiden von Tausenden von Kriegsgefangenen auf den Rheinwiesen, wo die Amerikaner zunächst notdürftige Lager eingerichtet hatten. Die Erinnerungen an das Elend in diesen Lagern hat Gerhard Hess wohl wesentlich geprägt bzw. sein späteres pazifistisches Denken bestimmt. Kurz vor dem Verhungern wurde er auf Betreiben seiner späteren Autorin, Mathilde Planck, aus der Gefangenschaft "entlassen". Seine Mutter hatte sich in ihrer Not an die bekannte Frauenrechtlerin und Parlamentarierin gewandt. (siehe auch unter AutorenInnen des Verlages: Mathilde Planck.) Mathilde Planck , eine enge Verwandte von Max Planck, wurde auch Herausgeberin der ersten feministischen Zeitschrift in der Nachkriegsära "Der Silberstreifen", die im Gerhard Hess Verlag erschien. Aufgrund seiner liberalen Haltung akzeptierte Gerhard Hess aber auch AutorenInnen, die als belastet galten - und von ihren "alten" Verlagen jetzt nach der N.S. - Ära abgelehnt wurden. Als Beispiel darf Ludwig Finckh genannt werden, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Autoren in den 30er und 40er Jahren. Obwohl Finckh von seinem Freund Hermann Hesse beim Spruchkammerverfahren glaubwürdig entlastet wurde - und auch keine nachweisbare Schuld auf sich geladen hatte, fand er trotzdem zu keinem seiner "alten" Verlage zurück. Gerhard Hess nahm sich seiner an und wurde sein erfolgreicher Nachkriegs - Verleger. Ähnlich auch die Situation bei Hans Reyhing, einem regional bekannten Schriftsteller. Wie breit die ideologische Spannweite der Autorenschaft im Gerhard Hess Verlag war, beweist sich in weiteren großen Namen, wie z.B. Wilhelm von Scholz oder Fritz von Unruh, einem Pazifisten der ersten Stunde. Gerhard Hess, der als kinderloser Junggeselle starb, "vererbte" 1992 den Verlag an Horst Wörner. Wörner hatte sich intensiv mit dem Verleger Gerhard Hess und seinem Werk auseinandergesetzt und versprach den Verlag in seinem Sinne fortzuführen. Dies sollte zunächst durch einen eingesetzten Geschäftsführer geschehen, der aber krankheitsbedingt und mangels Qualifikation ausschied. Weitere VerlagsleiterInnen waren ebenso erfolglos, so dass der Verlag in den Jahren 1999-2001 in größte wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Wörner war bis zum Jahr 2001 leitender Mitarbeiter einer kirchlichen Einrichtung und insofern auf die Hilfe und Unterstützung Dritter angewiesen, da sein "Brotberuf" absolute Priorität besaß. Nur mit größten Anstrengungen gelang es, den Verlag am "Leben zu erhalten". Seit dem Jahr 2002 wird der Verlag erfolgreich von Claudia Schmid betreut. Viele neue und namhafte AutorenInnen kamen seit 1992 hinzu. Ein Blick in die Autorenliste des Verlages beweist dies. Hans Kudlich, der "sudetendeutsche" Menschenrechtler und "Bauernbefreier", dessen Biographie neu aufgelegt wurde, die jüdische Autorin Salcia Landmann, der jüdische Religionswissenschaftler Pinchas Lapide, die Schauspieler O.W. Fischer und Sir Peter Ustinov, Otto von Habsburg mit zahlreichen Beiträgen in verschiedenen Sammelwerken, der Religionswissenschaftler Rudolf Grulich, Rechtsanwalt Josef Schröder u.v.a.m. Themen zum „Sudetenland“ und Osteuropa werden ab Frühjahr 2010 im verlagseigenen ODERTOR – VERLAG erscheinen. |